Dass es mir schwerfaellt, mich kurzzufassen, ist hinlaenglich bekannt. Heute habe ich aber einen Grund viel zu schreiben, schliesslich war ich die letzten sieben Tage auf einem sehr interessanten und kurzweiligen Trip durch den Sueden Spaniens, auch als Andalusien bekannt. In der Absicht, moeglichst viel von meinem Gastland zu sehen, wurde Ende November mit drei Damen aus Almeria (ebenfalls Studenten der NAK) eine Route festgelegt. Andalusien ist das groesste Bundesland Spaniens und hat daher, neben einer Quasi-Sonnengarantie, auch wechselnde Vegetationen und zwei verschiedene Meere (Atlantik und Mittelmeer) zu bieten. Treffpunkt unserer Reise sollte Sevilla sein, wohin ich mit dem Nachtbus und Jenny, Johanna und Josie mit dem Auto aus Almeria anreisten. Nach stinkenden Fuessen im Bus (nicht meine!) konnte ich zunaechst die feiertaegliche Morgenruhe in Sevilla geniessen: der 6.12. ist in Spanien der Feiertag der Konstitution. Wie fast in ganz Andalusien, ist auch in Sevilla die lange Herrschaft der Mauren spuerbar, am beruehmtesten ist wohl der Glocketurm der ehemaligen Moschee von Sevilla (La Giralda) sowie der Alcazar, eine Art Koenigspalast mit riesigem tropischem Garten. Unsere erste Uebernachtung hatten wir in einem sehr schoenen Hostal etwas ausserhalb von Sevilla gebucht, mit Oragenbaeumen direkt vor dem Fenster, welche in ganz Sevilla als normale Strassenbaeume durchgehen (Wahnsinn!).

Am 7.12. ging es nachmittags Richtung Cadiz, welches wir nach einem Zwischenstopp in Jerez, am fruehen Abend erreichten, um dort zweimal zu naechtigen. Die an der Antlantikkueste, ganz in weiss gehaltene Stadt entschaedigte uns prompt fuer das Hostal, welches nicht ganz mit dem Standard in Sevilla mithalten konnte. Darueber hinaus hatte Josie fuer den zweiten Tag mit Antonio sogar noch einen Privat-Reisefuehrer aufgetan, sodass uns kein Detail der Stadt (z.B wilde Papageien) entgangen ist; denken wir jedenfalls…




Malerische Sonnenuntergaenge und eine tolle Brandung konnten uns am Samstag nicht davon abhalten, der Stadt den Ruecken zuzukehren, denn schliesslich wollten wir Afrika sehen. Vorbei an wunderschoenen Straenden ohne viel Tourismus dafuer aber mit ar***-kaltem Wasser ging es nach Tarifa, der suedlichsten Stadt Europas. Und wer sagt’s denn, das Wetter liess einen astreinen Blick auf die Kueste Nordafrikas zu, fuer mich mal ein ganz neuer Kontinent ;-)


Ganz nach Japan-Art wurde in Tarifa lediglich zum Fotografieren gehalten, um schleunigst zum naechsten Punkt weiterzubrausen, England! Genauer gesagt, wir fuhren nach Gibraltar, dem politischen Stachel im Leibe Spaniens. Weitaus touristischer als Tarifa, schleusten wir uns hier mit vielen anderen Gaesten durch die einzige Stadt dieser Kolonie, um nach einem langem Fussmarsch endlich den Europa-Point zu erreichen…was fuer eine Enttaeuschung! Keine Buden zur Staerkung, absolut der gleiche Blick wie in Tarifa (eigentlich logisch, oder?) und ansonsten rein gar nichts.

Desillusioniert ging es rapidamente im Bus wieder zur Grenze, ab ins Auto und rein in die Berge. Mit unseren beiden Taxifahrerinnen Johanna und Jenny gings geschwind Richtung Costa del Sol, dem groessten zusammenhaengenden Feriengebiet Europas (sagte mir der Reisefuehrer).
Unser Zwischenstopp wurde das mondaene Marbella, zur Zeit eher in den spanischen Schlagzeilen aufgrund Bestechungen, verhafteten Buergermeistern und illegalen Prachtbauten. Nichtsdestotrotz lud die Standpromenade zum Verweilen ein, auch wenn leider keine Prominenten gesichtet werden konnten. Nach einem malerischen Sonnenuntergang hielten wir direkt auf Malaga zu, unsere dritte Schlafstation.
Dank eines freundlichen Pizzaboten fanden wir auch prompt unser Hostal, dass sich auf der Rangliste der besten Backpacker-Unterkuenfte gute Chancen auf den ersten Platz ausmachen darf. Nach einem entspannten Essen und einigen Drinks (@Torben und Co: Jungs, wie koennt Ihr bloss Gin-Tonic trinken? Pfui-Teufel!) fielen wir nach diesem ereignisreichen Tag geschafft in die Kojen. Jenny liess es sich trotzdem nicht nehmen, Bekanntschaft mit einem Insekt zu machen, was am naechsten Tag in einem „Boxerauge“ resultierte. ;-)
Schon etwas abgestumpft hinsichtlich touristischer Ziele wurde Malaga am naechsten Vormittag im Schnelldurchgang abgehandelt, um nach Almeria weiterzufahren. Angekommen, kehrten die Maedels in ihre WGs zurueck, meinerseits lagerte sich in einem guenstigen Hostal (1 Stern) ein, um etwas zu verschnaufen. Gegen Abend wurde dann die dortige Alcazaba auf einem Berg erklommen und die Aussicht ueber Almeria und das Meer genossen. Am Abend verabschiedete sich Josie von unsere Reisetruppe, wir restlichen Drei brachen am fruehen (also spanisch frueh = 9 Uhr) Montagmorgen Richtung Granada auf, um die weltberuehmte Alhambra, den groessten muslimischen Bau in Spanien, zu besichtigen. Auf dem Weg dorthin umkreisten wir die Sierra Nevada, die auf ihren Gipfeln sogar Schnee anzubieten hat. Dank der untypischen Reisezeit und den recht frischen Temperaturen (<10>

Danach wurde die Stadt erkundet, sich um die Rueckreise im Bus am naechsten Tag gekuemmert und abschliessend der Abend in einem All-you-can-eat-Restaurant abgeschlossen – lecker! Mein Hostal inmitten des ehemaligen maurischen Viertels nahm mich dann des Nachts in die Arme, damit ich am Dienstag freudig 10 Stunden im Bus verbringen konnte, um um 7 Uhr abends wieder in Salamanca anzukommen. Vorbei an schroffen Felsen, weiten Olivenhainen und riesigen Agrargebieten bot mir diese Bustour nochmals einen Ueberblick ueber die Vielseitigkeit Spaniens.


Ohne Streitereien, Autopannen oder Diebstaehlen hat mir diese Reise viel Spass und neue Eindruecke beschehrt, die ich nicht missen moechte (wie pathetisch). Zurueck in Salamanca wird nun deutlich, dass nicht mal mehr 10 Tage meines Auslandssemester uebrig bleiben, eine Mischung zwischen Vorfreude auf die Heimat und Abschiedsschmerz hat sich breits eingestellt. Woll’n mal sehen, dass wir die verbleibenen Tage noch angemessen nutzen ;-)
Hasta luego,
Hendrik
PS: Wer bis hierhin vorgedrungen ist: Respekt! Als Dankeschoen kann ich, zurueck in HH, rund 1300 Bilder zur Ansicht anbieten!!! ;-)