Montag, September 25, 2006

Ein Wochenende mit Kultur....

Ich bin enttäuscht. Ich bin so enttäuscht. Die von mir angepriesenen Hühnerküken in Öl haben sich letztendlich als Muscheln ohne Schale herausgestellt. Ich weiß, spätestens jetzt halten mich einige für einfach gestrickt, das Foto sah aber wirklich so aus! Zu meiner Ehrenrettung füge ich an, dass man zumindest Schweinefüße in der Dose und Kuh- oder Schweineschnauze am Stück auf dem hiesigen Wochenmarkt kaufen kann – jawohl.


Am vergangenen Freitag sind die Deutschen ins Kino gegangen. Der Versuch, meinen Mitbewohner mitzuschleifen, scheiterte an seiner Arbeit, aber immerhin hat man so Gesprächsthemen zwischen Tür und Angel. Als Lernobjekt wurde der neue Film mit Daniel Brühl, „Salvador“, ausgewählt. Ein sehr interessanter, auf wahren Tatsachen beruhender Film über den Widerstandskampf gegen die Franco-Diktatur aus der Untergrund heraus. Was sich für uns Sprachschüler als positiv herausstellte, war die Tatsache, dass die Untergrundkämpfer vornehmlich das damals verbotene Catalàn gesprochen haben, welches hier niemand versteht und es in Folge dessen Untertitel gab. Und schriftliches Spanisch ist immer einfacher zu verstehen als gesprochenes. Insgesamt waren wir alle überrascht, wie viel wir doch verstanden haben. ;-)

Am Samstag gab es dann noch mehr Kultur – ein Standrundgang ohne Wohnungsbesichtigungen oder Kneipen als Ziel. Diese Stadt hat, was Kulturdenkmäler angeht, mehr als einen Tag an Sightseeing zu bieten. Nicht umsonst ist meines Wissens nach die komplette Innenstadt zum Weltkulturerbe erklärt worden – Zu Recht! Ohne mit Details langweilen zu wollen, hier dennoch ein kleiner Abriss:

Zunächst haben wir die alte Casa de las conchas (Haus der Muscheln) mit außergewöhnlicher Fassade besichtigt: 1514 erbaut, ließ der damalige Santiagoritter seinen Stadtpalast mit vielen Muscheln verzieren, die je nach Sonnenstand (sofern die Sonne denn scheint) ein interessantes Schattenspiel bieten (Zitat Ende). Im Innenhof bot sich uns eine interessante Ausstellung über die Gewalt gegen Frauen in der spanischen Ehe; manche Probleme sind nun einmal international (Bild 1+2).



















Direkt gegenüber wartete bereits die nächste Kirche mit stattlichen Ausmaßen, eine Jesuitenkirche aus dem 17. Jahrhundert, ebenfalls nett anzuschauen (Bild 3).


Weiter ging es nach einem auswärmenden Capuccino oder einer heißen Schokolade (war nämlich morgens nix mit Sonne, Spanien etc) etwas weiter südlich zum Dominikanerkloster San Esteban aus dem 16. Jahrhundert mit einem schönen Rolls Royce vor der Tür. Überhaupt waren anlässlich vieler Hochzeiten einige schöne Fahrzeuge in der Stadt zu bewundern. Die Klosterkirche selbst war leider nicht zu besichtigen – Siesta (Bilder 4+5).

- Für alle Kulturbanausen: Ihr habt es bald geschafft!

Zuletzt stand noch die Königsetappe der Tour an, die neue und alte Kathedrale. Vorab: Derartige Verschwendung von Geldern der damals gewiss armen Bevölkerung lässt einen schon stutzen. Die neue Kathedrale mit einer Höhe von annähernd 40 Metern bei mehr als 100 Metern Länge und 50 Metern Breite hinterlässt einen gewaltigen Eindruck, der schwer auf Bilder zu binden ist. Ich hab es trotzdem ansatzweise versucht ;-) Mit einer Bauzeit von 222 Jahren waren die Spanier sogar noch etwas langsamer als die Bauherren des Kölner Doms, immerhin aber schneller als die Konkurrenz aus Barcelona – die Sagrada Familia ist ja bekanntlich heut noch nicht fertig *Anm. d. Redaktion: Der Schreiber hält sich seit längerem für witzig*. Anschließend lieferte die alte Kathedrale mir den angeschlossenen (noch älteren) Kapellen einen Blick in die Geschichte bis in das 11. Jahrhundert. (Bilder 6-8).


Abends wurde endlich auch mal eine Lokalität entdeckt, in der nicht nur Drängeln sondern auch Tanzen möglich war, was Kai und mich veranlasste, das Bett bis heut morgen zu verschmähen, ganz nach Spanier-Art. Und wohlgemerkt: Als wir gingen, war nicht etwa Schluss in den Läden, nein wir sind ganz freiwillig gegangen! Am heutigen Sonntag steht lediglich ein wenig Sport am Fluss auf dem Programm. Auf einer Art Multifunktionssportanlage lässt es sich wunderbar im Kreis laufen, bevor man sich als Abschluss den Berg zu unseren Wohnungen raufquält. Für einen etwaigen Alpenurlaub bin ich jedenfalls im Dezember konditionell bestens gerüstet, sofern das hohe Pensum von 3-4 Stunden Jogging (spanisch: Footing) beibehalten werden kann. Abends steht das Spitzenspiel Barcelona gegen Valencia an.


Hasta luego!

PS: Besonderen Dank nochmals an Dennis für die Bereitstellung seines Laptops. Muchas gracias!

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Holla Schröder,

qué tal!? mehr kann ich leider nicht...also viel spass weiterhin und schreib hier ja fleiss- und regelmässig weiter !!

el eisi

Anonym hat gesagt…

Hey Henni! Blick ja noch nicht so wirklich durch hier! Mein Kommentar steht weiter unten